Intelligente Baumaschinen

Ruedi Sandmeier, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Baumaschinenwirtschaft VSBM, erläutert die Baumaschine 4.0 sowie alternative Antriebe.

Nur die Leistung zählt – das war bei Baumaschinen einmal. Ruedi Sandmeier, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Baumaschinenwirtschaft VSBM, erklärt, dass die Vernetzung von Baumaschinen immer wichtiger wird. «Die einzelne Maschine verliert an Bedeutung, es geht heute vielmehr darum, welche Daten die Maschine und den Maschinisten unterstützen und welche Daten dem Unternehmer helfen, die Maschine wirtschaftlicher zu betreiben. Die absolute und isoliert betrachtete Leistungsfähigkeit der einzelnen

Baumaschine wird künftig nicht mehr im Vordergrund stehen. An Bedeutung wird gewinnen, wie smart eine Baumaschine ist, ob sie zum Beispiel eine Planie oder einen Aushub selbstständig ausführen kann oder die Leistungsparameter automatisch der Leistungsanforderung einstellt. Allgemein helfen Assistenzsysteme, den Maschineneinsatz effizient und effektiv zu gestalten. Bei diesem Szenario übernimmt der Maschinist die Rolle des Systemmanagers, was eventuell zu einem neuen Berufsbild führen könnte. Die Digitalisierung muss helfen, die Auslastung der Baumaschinen zu verbessern. «So mit können die Kosten pro Betriebsstunde massiv gesenkt werden, was es den Bauunternehmern wiederum erlaubt, in regelmässigen Abständen in eine neue Technik zu investieren », führt Sandmeier aus.

Verschiebung der Bauphasen

Die Planungsphase wird sich in Zukunft verlängern, weil alle Akteure bereits in dieser Phase an Bord geholt werden müssen. Im BIM Zeitalter werden sich die heute bekannten Bauphasen bei Bauprojekten verschieben. Nur wenn der Planungsphase die benötigte Aufmerksamkeit geschenkt wird, kann in der Ausführungsphase der Maschineneinsatz unter Mithilfe von Assistenzsystemen optimiert werden. «Solche Verschiebungen und Optimierungen haben sehr positive Auswirkungen auf die Kosten und die Umwelt», macht Sandmeier klar. Um noch einen Hinweis zu geben: «Es ist leider eine Tatsache, dass Maschinen bis zu 30 Prozent im Leerlauf betrieben werden und während dieser Zeit unproduktiv sind. Dadurch entstehen dem Bauunternehmer ungedeckte Kosten in den Bereichen Wertverlust der Maschine, Servicekosten und Entlöhnung der Maschinisten. Nebst der seriösen Einführung durch die Lieferanten der Maschinen helfen verschiedene Aus- und Weiterbildungsangebote für Baumaschinenführer, diesem Umstand entgegenzuwirken. Solche Massnahmen helfen zusätzlich, die Verfügbarkeit der kostenintensiven Baumaschinen zu erhöhen.

Neue Antriebssysteme?

Sandmeier erläutert, dass alternative Antriebssysteme bereits heute in verschiedenen Varianten angeboten werden. «Wir kennen die Hybrid-Lösung in den Varianten elektrisch oder hydraulisch, den Batteriebetrieb oder den 100%igen elektrischen Betrieb. Es gibt jedoch auch Hersteller von Baumaschinen, welche mit Wasserstoff oder anderen Gasen als Energiequelle experimentieren. Bei der Wahl eines alternativen Antriebes steht jedoch nach wie vor der Maschineneinsatz und deren Umgebung im Vordergrund», sagt er. Alternative Antriebssysteme führen dazu, dass zusätzliche Schulungsangebote für Servicepersonal angeboten werden müssen oder sich neue Dienstleistungsmodelle auf dem Markt etablieren. «Aus heutiger Sicht ist nicht zu sagen, welche alternative Antriebsart sich etablieren wird», führt Sandmeier aus. «Aus meiner Sicht wird es ein Mix sein. Was jedoch mit Sicherheit zutrifft, ist, dass mittelfristig keines der genannten Antriebssysteme nur annähernd die Dominanz des heutigen Dieselantriebes erreichen wird.» Zwar sind die Baumaschinen immer vernetzter, allerdings bauen alle Hersteller eigene Systeme auf, die untereinander teilweise nicht kompatibel sind. Die Frage stellt sich, ob es eine Standardisierung für den Datenaustausch unter den Herstellern geben soll. «Unbedingt», meint Sandmeier, «die Schnittstellen müssen genormt und offen sein, denn nur so haben Kunden und Lieferanten einen Mehrwert.» Wobei Sandmeier denkt, dass die Maschinen verschiedener Marken in Zukunft einander immer ähnlicher werden. «Noch mehr an Bedeutung gewinnen wird der Service, den Hersteller und Lieferanten bieten, sowie die Kompetenz und die Beratung der Mitarbeitenden », stellt er klar.

 

Ruedi Sandmeier, Präsident des Verbandes der Schweizerischen Baumaschinenwirtschaft VSBM. Der Verband der Schweizerischen Baumaschinenwirtschaft VSBM organisiert vom 17. bis 20. März 2021 in Bern die Baumaschinen-Messe. Auf dem Aussengelände werden Baumaschinen vorgeführt, gleichzeitig werden die Schweizermeisterschaften der Baumaschinenführer durchgeführt. Weitere Informationen: www.baumaschinenmesse.ch

Autor: Zafer Bakir

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